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Leichtes Arbeiten mit den Händen

3. April 2010

Nach wenigen Wochen beginnt ein Mensch die eigenen Hände wahrzunehmen. Wie faszinierend es ist, zu beobachten wie ein Baby die eigenen Hände betrachtet, in den Mund steckt, um sie zu ertasten und erfühlen, sowie Greifen und Fallenlassen erprobt!

Und so bleiben die Hände unser wichtigstes Werkzeug unser Leben lang. Manche Wissenschaften sagen, dass der Gebrauch unserer Hände und die Vielfältigkeit, die auch durch den so beweglichen Daumen entsteht, wichtig für die Entwicklung unserer Kultur und unserer Gesellschaft war.

Allerdings gewöhnen wir uns oft an, unsere Hände losgelöst von Ellbogen, Schultern, Brustkorb oder gar Becken zu empfinden. Da unser Körperbild, unsere Art uns zu bewegen, prägt, erfahren unsere Hände keine Unterstützung mehr durch die anderen Körperteile. Wie fest muss ich die Astschere halten, damit ich den Ast beim Frühjahrsputz gut schneiden kann? Wie hebe ich meine Hände ohne Schultern, wenn ich das Dach beim Autoputzen polieren will? Wie kehre ich ohne Hilfe meines Beckens die Straße?

Einseitige Bewegungen führen zu Überlastungen der Hände, Handgelenke und Ellbogen. Karpaltunnelsyndrom, Schnappfinger, Tennis- oder Golferellbogen werden dann diagnostiziert.  Auch das Schultergelenk fängt an zu knirschen, weil die präzise Abfolge zwischen Oberarmknochen, Schulterblatt und Schlüsselbein gestört ist. Die Orthopädie hat, gerade weil wir die Hände soviel brauchen, entsprechende Operationstechniken entwickelt und verspricht gerne (Zitat aus Wikipedia zum Schnellenden Finger): ‚Die freie Fingerbeweglichkeit ist nach Abklingen der Anästhesie wieder hergestellt.‘  Wunderbar. Leider nicht immer, so die Erfahrung.

Aus feldenkraisischer Sicht ist dieser Schluss, durch die Operation wird die störende Verdickung oder Verengung etc. entfernt und damit ist die Welt wieder in Ordnung, ein sehr kurzfristiger. Die Eigenart, den entsprechenden Körperteil weiterhin zu überbeanspruchen, bleibt bei allen täglichen Bewegungen. So wandern dann die Symptome einfach nur weiter, oder ergibt die Operation keine langfristige Verbesserung.

In diesem Moment  fest zu stellen, dass ich mich nicht nur für eine kurze halbe Stunde betäuben lassen muss, danach eine Woche krankgeschrieben bin und dann ist meine Lebensqualität deutlich verbessert ist, sondern dass mehr Einsatz von mir nötig ist, ist oft frustrierend.

Haben Sie sich schon mal gefragt, wie viel Änderung möglich ist, wenn Sie sich für eine Woche täglich 5 Stunden Zeit für Feldenkrais nehmen? Für gezielte Übungen zu Ihrem Thema in den Gruppenstunden, und in den Einzelstunden die Möglichkeit zu einer ganz individuellen Stunde  für die ‚funktionelle Integration‘?  Und um wieviel schmerzfreier, lustiger und entspannter diese Woche ist als ein Krankenhausaufenthalt? Vielleicht probieren Sie es einfach vor einer Operation aus.

3 Kommentare leave one →
  1. Hildegard Fischer permalink
    8. Dezember 2015 1:30 am

    Liebe Frau Unger,

    vielen Dank für Ihren Bericht über das leichte Arbeiten mit den Händen. Vor ein paar Tagen ist bei mir ein Karpaltunnelsyndron diagnostiziert worden und deshalb war ich auf der Suche nach alternativen Heilmethoden bzw. habe auch gezielt nach Feldenkrais gesucht..
    Ich versuche nun, so wie Sie beschrieben haben, die Hand nicht isoliert zu bewegen, sondern bewusst Arme und Schultergürtel mitzunehmen.
    Ich versuche auch ganz langsam und bewusst den Daumen zu jedem einzelnen Finger zu bewegen und auch wieder zu öffnen um so evtl. ein „frei werden des Karpaltunnels „zu erreichen. Ich habe das Gefühl, das sich so meine Hand und auch mein Unter-sowie Oberarm entspannt und doch spüre ich ein ganz leichtes Kribbeln in meinen Fingern, ich kann jedoch nicht genau sagen ob es nur die Finger sind die vom N. Medianus versorgt werden oder auch der Kleinfinger und die ulnare Seite des Ringfingers.
    Können Sie mir etwas dazu sagen, ich bin etwas verunsichert was das Kribbeln angeht, ansonsten habe ich das Gefühl, dass ich durch diese Übung eine komplette Öffnung bis hin zum Brustmuskel erlebe.

    Ich würde mich über eine Nachricht von Ihnen freuen.

    Viele Grüße

    Hildegard Fischer

    • Andrea permalink*
      8. Dezember 2015 2:53 pm

      Hallo Frau Fischer,
      ja, es ist faszinierend, wie die ganze Muskulatur am Arm entlang besser mitarbeiten kann.
      Zum Kribbeln: entschuldigen Sie, wenn ich keine Ferndiagnose stelle. Es ist immer gut, wenn jemand mal ‚drauf guckt‘, sie also Rücksprache halten mit medizinisch geschulten Fachleuten. Aber ich schreibe Ihnen gleich eine Email.
      Weiterhin gute Besserung! Andrea Unger

  2. Simone Prager permalink
    31. Juli 2017 12:59 pm

    Sehr schön, liebe Andrea, haben Sie vielleicht eine Bewegungslektion als Appetithäppchen?

    Herzlichen Gruss,
    Simone Prager

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